Schamanismus

Das Weltbild des Schamanismus geht davon aus, dass alles Lebendige (wie z.B. auch Tiere, Pflanzen und Steine), also alle Wesen dieser Welt, über Seele und Geist verfügen (unabhängig von Intellekt oder Bewusstsein) und hierüber miteinander verbunden sind.
Auch wenn die Tätigkeiten der Schamanen weltweit verschiedene Schwerpunkte und Ausprägungen besitzen,
so haben sie doch eines gemeinsam:
durch ihr Handwerk sind sie in der Lage, ihre Wahrnehmung auf diese unsichtbare Ebene der Welt "umzuschalten".
Eine solche Wahrnehmungsverschiebung, auch Andersweltreise oder schamanische Reise
genannt, ermöglicht es den Schamanen, mit den Wesen dieser Welt zu kommunizieren,
Sinn- und Wirk-Zusammenhänge zu erkennen, einzugreifen und Dinge zu verändern.
So können Schamanen nicht nur Heiler, sondern auch Mittler zwischen den Welten, Berater, Geburtsbegleiter,
Sterbebegleiter,
Ritualleiter für persönliche Anlässe
und Jahreskreisfeste, Lehrer u.v.m. sein.
Obwohl der Schamanismus meist zu naturreligiösen Ansichten führt, ist er doch kein Glaubenssystem. Im Schamanismus ist es nicht erforderlich, blind auf etwas zu vertrauen, an eine bestimmte Religion oder einen entfernten Gott zu glauben, denn das schamanische Handwerk führt zu Erfahrungswissen.
Und dieses Wissen wird dringend wieder benötigt. Der moderne Mensch hat das Gespür für die Verbundenheit aller Wesen weitestgehend verloren. Er fühlt sich als isolierter und unabhängig agierender Beherrscher der Welt oder als ausgeliefertes, machtloses Opfer ohne Einfluss. Er kann oder will die Verantwortung für seinen persönlichen Einflussbereich am großen Ganzen nicht mehr wahrnehmen und verliert hierdurch einen wichtigen Lebenssinn.

